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Elizitieren und Installieren

Eine der Grundtätigkeiten im NLP ist das Elizitieren und das Installieren. Dabei versteht man unter elizitieren das Herausholen von Informationen, die im Klienten schon vorhanden sind; und installieren ist die Tätigkeit, bei der neue Verhaltens- und Erlebnisprogramme in den Klienten hinein programmiert werden.

Das Elizitieren ist somit im wesentlichen ein Befragen. Der Klient wird befragt, was er erlebt, denkt, welche inneren Bilder er sieht, welche Submodalitäten diese haben usw. Diese Tätigkeit ist in sofern von zentraler Bedeutung für das NLP, als man davon ausgeht, das jedes Problem eine Leistung darstellt, und das die Veränderungsarbeit am besten gelingen kann, wenn man jemanden modellieren will, d.h. wenn man wissen will, was jemand im inneren tut um eine bestimmte Leistung hervorzubringen.

Dabei tut man so, als ob es eine einfache Abfrage von Daten geben könnte. Zwar gibt es ein Bewußtsein darüber, daß z.B. beim elizitieren einer Strategie vorsichtig sein muß, damit man keine “installierenden Fragen” stellt, aber es wird so getan, als ob dieser Fehler mit einiger Vorsicht vermeidbar wäre. So soll man beispielsweise nicht fragen ; “Hast Du bevor du dieses Gefühl spürst ein Bild gesehen?”, sondern eher ”Was passiert kurz bevor du dieses Gefühl spürst?”

Die erste Frage könnte den Klienten dazu veranlassen nach einem inneren Bild zu suchen und eventuell könnte es sein , daß dieser auch eines findet, allerdings weiß man nicht so genau, ob es vorher schon da war, oder ob es erst durch die Frage installiert worden ist.
Die zweite Frage ist demgegenüber natürlich weniger suggestiv, was die Repräsentationssysteme angeht, allerdings suggeriert sie dafür, daß vor dem Gefühl etwas anderes sein könnte. Es zeigt sich schon an diesen kleinen Beispiel, daß das Elizitieren von Informationen bei einem Menschen (einem selbstreferentiellen System) anders verläuft, als bei einer Maschine. Wenn man bei einem Computer wissen will, welche Daten bzw. welche Programme auf der Festplatte gespeichert sind, dann kann man sich sicher sein, daß man diese abrufen kann, ohne daß dadurch der Programm- bzw. Datenbestand verändert wird. Dies trifft allerdings auf einen Menschen in einer ganz prinzipiellen Weise nicht zu.

Um dies zu zeigen möchte ich nochmals auf das Elizitieren als Befragen zurückkommen:

1. Jedes Fragen ist ein Suchen. Ein suchen ist aber immer ein Suchen nach etwas. D.h. ich habe schon ein Vorverständnis wonach ich suche, denn sonst könnte ich gar nicht danach suchen.

2. Dieses Suchen kann zum “Untersuchen” werden, wenn das Gesuchte als solches Gefunden worden ist und nun näher bestimmt werden soll.

3. Zum Fragen gehört ein Befragtes. Zu jedem Fragen gehört ein Anfragen bei …

4. Das im Gefragten intendierte ist das Erfragte, das, wobei das Fragen ins Ziel kommt.
Wird jetzt aber nicht die Natur oder ein materieller Zusammenhang, wie z.B. ein Computer befragt, sondern ein selbstreferentielles System kommen zu diesen allgemeinen Bestimmungen des Fragens noch zwei weitere dazu.

5. Jede Frage fokussiert die Aufmerksamkeit des Befragten in eine bestimmte Richtung, die dieser in diesem Moment von sich aus wahrscheinlich nicht eingeschlagen hätte und

6. “Jede Frage führt zu kontextbedingten Neuorganisation des betreffenden Informationsbestandes.”

7. Insofern jede Frage präsupponiert, daß das wonach gefragt wird etwas ist, wonach sinnvollerweise gefragt werden kann, wird durch das wonach gefragt wird dessen Existenz, als Möglichkeit installiert. Wenn ich z.B. jemanden frage, ob sich seine linke oder rechte Hand schwerer anfühlt, dann fokussiere ich seine Aufmerksamkeit in seine Hände, wo sie vorher nicht war und präsupponiere, daß es möglich ist einen Gewichtsunterschied bei den Händen festzustellen. Und es ist zu bezweifeln, ob dies etwas ist, was der Klient vorher auch schon geglaubt hat. Oder wenn ich eine ältere Dame bei der Vorstellung nach ihrem Alter frage, was im Kontext eines Arztbesuches etwas normales ist, aber im Kontext einer Partysituation durchaus nicht, so
führt diese Frage dazu, daß nicht nur eine vorhandene Information aktiviert und entweder mitgeteilt oder nicht mitgeteilt wird, sondern diese Dame wird, durch die Frage und den Kontext
bedingt alle Daten rund um ihr Alter in den jeweiligen Kontexten anders ordnen. Und dieser Prozeß wird durch sehr unterschiedliche Gefühle begleitet sein. Dies ist im NLP alles durchaus bekannt und wird auch nach Kräften genutzt, allerdings in einem anderen Kontext.

So fragt man beispielsweise einen Klienten: “Woran würden Sie merken, daß Sie dieses Problem endgültig los sind?”

Diese Frage enthält gleich mehrere Präsuppositionen:
* Der Klient kann das Problem endgültig los werden.
Der Klient kann bemerken, daß das Problem nicht nur kurzfristig weg ist sondern endgültig. Diese Präsuppositionen stehen vielleicht in direktem Gegensatz zu dem, was der Klient bisher
über sein Problem geglaubt hat. Ist allerdings ein guter Rapport zwischen Therapeut und Klient da, und ist diese Frage gut vorbereitet, dann ist es durchaus wahrscheinlich, daß der Klient auf eine innere Suche nach einer möglichen Antwort geht. Und es ist völlig klar, daß damit keine schon vorher vorhandene Information abgerufen wird, sondern der Klient bei der Suche nach einer Antwort diese erst generiert und sich so selbst installiert. Insofern ist diese Frage eher eine Installation eines förderlichen Glaubenssatzes, als das elizitieren eines Glaubens oder Meinens.
Dies ist wie gesagt im Rahmen der hypnotischen Sprachmuster im NLP ausführlich untersucht worden. Allerdings scheint man im NLP zu glauben, daß dies nur für die spezielle Klasse von hypnotischen Sprachmustern gilt und man ansonsten durchaus elizitierende Fragen stellen kann, die nicht gleichzeitig installierend sind. Dies würde bei Strategien auf die Frage hinauslaufen, ob zwei unterschiedliche NLP`ler beim gleichen Klienten die selbe Strategie elizitieren würden.`

Und in der Tat wird diese Frage von einigen Teilnehmern immer wieder gestellt, wenn Strategien unterrichtet werden.

Nehmen wir als Beispiel eine Entscheidungsstrategie. Um diese zu elizitieren gehen wir wie folgt vor:
1. Denke an eine konkrete Situation, in der du eine Entscheidung getroffen hast.
(sensorisch definit, VAKOG)
2. Woher wußtest Du, daß jetzt eine Entscheidung angesagt ist? (Trigger)
3. Was hast Du als erstes gemacht um zu einer Entscheidung zu kommen.
4. Welche Vergleich stellst Du an?
5. Woran merkst Du, daß die jeweilige Alternative die ist, für die du Dich entscheiden wirst?

Was immer wir über dieses Vorgehen denken, eins ist klar, wenn dieser Elizitierungsprozeß abgeschlossen ist, dann ist er auch installiert. Zumindest für dieses Beispiel. Denn wenn sich jemand so ausführlich mit den “Erinnerungen” bzw. Vorstellungen von diesem konkreten Entscheidungsprozeß beschäftigt hat, dann ist diese Sequenz, egal ob sie vorher da war oder nicht, jetzt da. Und damit ist es unmöglich zu testen, ob jemand anderes, wenn er den Klienten nochmals interviewt die selbe Strategie elizitieren kann, da er nicht auf die selbe Ausgangssituation trifft. Darüber hinaus kann natürlich jede Strategie bis zu sehr unterschiedlichen Auflösungstiefen elizitieren werden. Desweiteren hängt das Ergebnis davon ab, wie gut die innere Wahrnehmungsfähigkeit des Klienten ist, bzw. davon welche Teile der Strategie dem Klienten Überhaupt bewußt sind.
Hier kommt jetzt die Beobachtungsgabe des Therapeuten dazu. Wie gut kann dieser die verschiedenen Zugangshinweise lesen.
Desweiteren gibt es verschiedene Kriterien, die jeder Elizitierende hat, wann er oder sie den Übergang von einem Repräsentationssystem zum anderen als stimmig und für den Ablauf der Strategie an dieser Stelle für verständlich und schlüssig hält. So nutzen wir sehr oft innerhalb einer Strategie ein kleines Unterprogramm, was uns sagt, wie wir in der Strategie weitergehen sollen.
Diese Subroutinen laufen aber oft sehr schnell und unbewußt ab, so daß sie für den Klienten und den Therapeuten kaum wahrnehmbar sind, allerdings aus logischen Gründen an einer bestimmten Stelle der Strategie vorhanden sein müssen. Dieses Wissen hat natürlich großen Einfluß auf das was jemand den Klienten fragt.

Aus all dem Gesagten folgt natürlich nicht, daß es keinen Sinn hat jemanden etwas zu fragen. Allerdings folgt daraus, daß das Konzept des Elizitierens eher ersetzt werden sollte durch die Vorstellung einer KO-KREATION. Damit gemeint, daß der Therapeut und der Klient gemeinsam eine Wirklichkeit kreieren und nicht eine solche entdecken. Die Idee der Ko-Kreation steht allerdings im Widerspruch zur Neutralitts-These des NLP.
Damit ist gemeint, daß sich das NLP zumindest in vielen seiner Vertreter zu Gute hält, daß es dem Klienten in seinem Modell der Welt begegnet um ihm dann zu helfen seine Ziele zu erreichen. Im Gegensatz zu anderen Therapiemethoden, denen vorgeworfen wird, daß sie ihre Klienten erst auf eine besondere Art “zurichten”, damit sie den Behandlungsmethoden der jeweiligen Schule überhaupt zugänglich werden. So kann man z.B. den Jungjanern vorwerfen, daß sie ihren Klienten erstmals den Glauben an Archetypen installieren und dann dafür sorgen, daß der Klient sich an viele seiner Träume erinnert, damit genug Material dazu da ist.

Therapie wird also im Rahmen des NLP als ein neutrales Optimieren der Programme des Klienten nach dessen eigenen Vorstellungen, Werten und Zielen betrachtet. Dies wird noch dadurch verstärkt, daß man glaubt dadurch das Arbeiten auf der Prozeßebene vor inhaltlichen Kollisionen sicher zu sein.

Ziel dieser Therapiekonzeption ist es, die persönliche Integrität des Klienten maximal zu schützen und zu vermeiden, daß der Therapeut seine persönlichen Werturteile auf den Klienten überträgt und ihn so unbeabsichtigt an sein Weltmodell anpaßt. So ehrenwert diese Absicht ist, so sehr muß sie , um dieses Ziel zu erreichen, den Klienten nach dem Bild eines Computers denken, der von außen programmierbar ist. An dieser Stelle fällt eine oben schon angedeutete Inkonsistenz innerhalb des NLP auf. Einerseits geht man davon aus, daß man nicht manipulieren (beeinflussen) kann, und anderseits möchte man eine neutrale Interventionsmethode, die ausschließlich auf dem Boden des Modells der Welt des Klienten funktioniert.

D.h. die Komplexität des menschlichen Kommunikationsprozesses wird, ohne daß dies innerhalb des NLP‘s reflektiert wird, in bestimmten Kontexten (z.B. Hypnose) vorausgesetzt und in anderen wird so getan, als ob man von all dem nichts wüßte und einem nativmechanistischen Datenabfrage-Modell gegenübersteht.
Dies gilt natürlich genauso für den umgekehrten Prozeß des installierens. Vorstellungen wie diese setzen eben einen umgekehrten Datenfluß voraus. “Ich habe ihm eine neue Buchstabierstrategie eingebaut!” bedeutet, wenn es nicht nur eine sehr abgekürzte Sprechweise sein soll, daß der Klient daran nur passiv-rezeptiv beteiligt war.

Auch hier mag der Vergleich mit den hypnotischen Sprachmustern weiterhelfen. Seit Erickson und Rossi ist es ein Allgemeinplatz, daß nicht die Suggestion suggestiv ist, sondern daß, was der Klient daraus macht. Jede funktionierende Suggestion ist also eine Autosuggestion. Und jede Suggestion hängt, wie jede andere Aussage auch, in ihrer Bedeutung und Wirkung vom Kontext ab, in der sie gemacht wird. Der Kontext ist aber nichts objektives, sondern wird selbst von Therapeut und Klient Ko-kreativ hergestelltes und wird außerdem von jedem noch anders erlebt. Wie kann man dann davon ausgehen, daß man etwas vorgegebenes, quasi wie ein Programm auf einer Diskette einem Menschen installieren kann. Hier wird die Programmierungs-Metapher kontraproduktiv, da sie den menschlichen Kommunikationsprozess verzerrt und simplifiziert.